Unsere Burg

Widukindveste / Haseburg

Zu den heute noch bestehenden Bauten des mittelalterlichen Osnabrück zählen die so genannten Steinwerke (domus lapidae, urkundlich 1177 erwähnt). Sie gehörten bis in das 14. Jahrhundert zum Bauprogramm. Eine für Norddeutschland einzigartig hohe Zahl von 35 dieser vollständig aus Stein errichteten Häuser ist in der Ackerbürgerstadt erhalten. Nachgewiesen sind ca. 150 Steinwerke des speziellen Osnabrücker Typus. Bei den ältesten um 1200 errichteten sieben romanischen Steinwerken Osnabrücks haben sich auch die einzigartigen Dachgewölbekonstrukte als Spitztonne direkt unter dem Satteldach weitgehend erhalten. Sie schützten vor der ständigen Brandgefahr in mittelalterlichen Siedlungszentren. Als funktionale Einheit mit einem vorgelagerten Fachwerkbau bot das Steinwerk mit seiner massiven Bauweise Schutz, Wohnung und Lagerfläche.

Unsere Burg wurde um das Jahr 1220 errichtet. Nördlich am Fundament wurde bei archäologischen Untersuchungen die Situation eines auf das 12. Jh. datierbaren hölzernen Vorgängerbaus mit mächtigen Pfostenlöchern dokumentiert. Auch dieses Steinwerk mit seinem fast quadratischen Grundriss war abseitiger Anbau des Fachwerk-Wohnhauses an der mittelalterlichen Straße.

Die schlichte Südfassade ziert u.a. ein gekuppeltes Fenster mit Kleeblattbögen und eingestellter Säule, im darüberstehenden Giebelfeld eine dreipassige Belüftung. Durch einen hoch liegenden, verteidigungsfähigen Zugang gelangte man in ein Wohngeschoß mit Holzbalkendecke. Keller- und Obergeschoss waren mit Bruchsteinmauerwerk überwölbt. Innerhalb des massiven Westmauerwerkes verbindet der originale Aufgang Erd- und Obergeschoss. Die mehrschalige gewölbetragende Wand ist bis 2,40 m stark. Der verbaute Bruchstein stammt wohl vom nahegelegenen Westerberg. Der Keller war nur von außen erreichbar.

Das Steinwerk „Dielinger Straße“ wurde über die Jahrhunderte immer wieder seiner Nutzung angepaßt. Das Gebäude war seinerzeit nicht heizbar, der offene Kamin im Erdgeschoss und die groß dimensionierten Fenster sind ein späterer Einbau. Während des Zweiten Weltkrieges war im Gebäude eine Schlosserei untergebracht.

Das Bauwerk war im Jahr 1960 in einem sehr schlechten, aber erhaltungswürdigen Zustand. Durch das Eingreifen des Jk Henricus und des Rt Gehmal-Pascha konnte das Steinwerk mit einer beispiellosen Spendenaktion der Schlaraffia vor dem Verfall gerettet werden. Der Stadt Osnabrück als Eigentümerin haben die Ossenbrugger Schlaraffen somit ein einzigartiges Baudenkmal erhalten. Seit dem 26. im Windmond a.U. 101 hat die Ossenbrugga hier ihre Burg. Derzeit widmet sich ein Forschungsprojekt den Steinwerken des Raumes Osnabrück.